Mietenwahnsinn

Einen recht interessanten Beitrag zum Thema Mietpreisexplosion hat arte am
17. April 2011 ausgestrahlt. Aufmerksam darauf geworden bin ich durch den Gentrification Blog. Die ersten paar Minuten der Sendung handeln von Hamburg. Außerdem geht es um Paris bzw. Frankreich und andere europäische Länder mit ähnlichen Problemen. Beispiel Paris: 12 qm mit Klo auf dem Hausflur = 800 EUR. Eine Entwicklung, auf die wir – auch wenn das immer keiner hören geschweige denn glauben will – auch zusteuern.

Guckst Du :o)

arte YOUROPE: Wie wohnen junge Europäer?

St. Pauli Music Hall und Gentrifizierung im Allgemeinen

Jaja, die ‚Beteiligung der Öffentlichkeit’… sie hat so ihre Tücken. Die Springer-Presse schrieb heute, dass „der Bezirk einen Weg der öffentlichen Information wählte, den heute Politiker hinter vorgehaltener Hand als Desaster beschreiben.“

Mit anderen Worten: man hätte einfach die Bulldozer alles platt machen lassen sollen. Basta.

Mich wundert diese Einstellung nur bedingt. Viele sind sich gar nicht darüber bewusst, dass die Stadt Hamburg dabei ist, jede der Stadt gehörende (Grün-)Fläche an den Höchstbietenden zu verscherbeln. Und das schon lange nicht mehr nur in Gebieten wie St. Georg oder St. Pauli.
In Barmbek-Süd und Uhlenhorst z.B. werden en masse öffentliche Grünflächen verkauft. In einem Fall obwohl der ehemalige Besitzer der Fläche – Herr Averhoff – in seinem Testament verfügen ließ, dass er das Gelände nur unter der Voraussetzung der Stadt Hamburg hinterlässt, wenn es entweder öffentlich oder sozial genutzt würde. So findet man dort unter anderem ein Pflegeheim, einen Kindergarten, einen normalen Spielplatz sowie einen Kinder-Bauspielplatz. Außerdem auf dem Gelände: ein denkmalgeschütztes ehemaliges Waisenhaus (später Jugendheim), welches nun in Eigentumswohnungen umgewandelt wird…
Wer im schicken Palais Averhoff residieren möchte, sollte eine knappe halbe Million Euro übrig haben. Wenn DAS nicht sozial ist, dann weiß ich auch nicht. Aber Herr Averhoff wird sich sicher im Grab umdrehen.

In der Tat ist es in zentralen Gegenden quasi unmöglich geworden, in irgendeine Himmelsrichtung zu blicken, ohne auf ein halbes Dutzend Baukräne zu schauen. Trotzdem gibt es einen Mangel an 40.000 Wohnungen. Wie kann das sein? Ganz einfach: gebaut werden nur noch Büros, die dann leerstehen und exklusive Eigentumswohnungen. Die CDU (plus GAL) machen’s möglich.

Aber um aufs Thema Rindermarkthalle zurück zu kommen: am 25.11.2010 kann man sich im so genannten Ballsaal (am St. Pauli Stadion) einfinden, sofern man sich an der Planung beteiligen möchte. Ab 17 Uhr ist Einlass. Und für all jene, die der wahre Grund der Eskalation im bisherigen Planungsverfahren interessiert: die St. Pauli Music Hall GmbH wurde bereits zig Monate vor der ‚Beteiligung der Öffentlichkeit‘ gegründet. Somit war die Integration der Bevölkerung und angeblich ergebnisoffene Diskussion mit den Anwohnern von Anfang an eine Farce.

Im Falle Averhoff weiß das Bezirksamt angeblich auch nichts von einem Testament. Wer’s glaubt…

Nachdem das nervige Grünzeug erstmal gerodet war, musste nur noch der Luftschutzbunker weggestemmt werden. Dann konnte es losgehen…… mit dem Bau der über 400.000 EUR teuren „Sozialwohnungen“ auf dem Averhoff-Gelände. Nicht im Sinne des Namensgebers.

Quelle Zitat: Hamburger Abendblatt „Alte Rindermarkthalle: St. Pauli Music Hall ist ungewiss“ vom 09.11.2010

Das Münzviertel im Visier der Investoren

Ich habe vor kurzem im lachenden Drachen, der Stadtteilzeitung von St. Georg, einen Artikel gelesen, der mir sehr gut gefallen hat und den ich hier gern vorstellen möchte:

Wohnimmobilienfonds und Gemeinwesen (von Günter Westphal)

Ein Gemeinwesen wie das Münzviertel besteht – wie andere Sozialräume auch – aus mehreren Akteuren. Ihre jeweiligen Interessenlagen sind zwar unterschiedlich, doch in einem intakten Gemeinwesen gibt es weder ein Unten noch ein Oben. Was die Akteure lediglich unterscheidet, ist ihr jeweiliges spezielles Expertentum: Die Hausbesitzer sind Experten im Hausbesitzen, die Bewohner eines Hauses sind Experten im Bewohnen der Häusern, die Politiker sind Experten im Politikmachen, die Polizisten sind Experten im Polizeimachen usw. usw.. Und alle ziehen auf gleicher Augenhöhe miteinander am gemeinsamen Strang. Gemeinsame Schnittmenge aller ist ein sozialverträgliches Gemeinwesen mit Rechten und Pflichten für Jedermann.

In einem nichtintakten Gemeinwesen gibt es ein Unten und ein Oben. Oben die Hausbesitzer und unten die Bewohner der Häuser. Die Hausbesitzer verweigern sich dem Gemeinwesen, bleiben anonym, verschanzen sich hinter Aktien und Kapitaleinlagen. Was hier einzig zählt sind höchstmöglichste Mietrenditen. Die Bewohner der Häuser und deren nachbarschaftliche Vernetzungen werden kaltherzig degradiert zur bloßen ökonomischen Größe.

2007 erfolgte der erste Zugriff.  Zum 31. Januar 2007 nahm der Wohnimmobilienfonds „Ejendomsselskabet Nordtyskland“ in der Vermarktung des dänischen Bankenkonsortium „Core Property Management“ die Liegenschaft Spaldingstraße 41- 47 in seinen Besitz. Ein Jahr später erfolgte der zweite. Anfang August 2008 kaufte der Immobilienfonds die Liegenschaft Spaldingstraße 49 / Ecke Repsoldstraße 52. Und 2009 schlug das Bankenkonsortium zum dritten Mal zu, diesmal unter der Fondszeichnung „Core German Residential II“. Es kaufte die Gebäudeliegenschaft Högerdamm 27 / Ecke Woltmanstraße 22-24.

Als oberstes Geschäftsziel verspricht das Bankenkonsortium: „ …. rentable Überschüsse für unsere Investoren. Unser Fokus liegt bei der positiven Weiterentwicklung unserer Mieteinnahmen. Das erreichen wir durch die positive Wertentwicklung unserer Wohnungen und Häuser, hierunter besonders durch Modernisierungen im Zusammenhang mit dem Mieterwechsel. Gleichzeitig optimieren wir effizient die Betriebskosten der Liegenschaften. ….“ http://www.coreproperty.dk

„Modernisierungen im Zusammenhang mit dem Mieterwechsel“ ist die Chiffre für: Vertreibung der alten Mieter durch neue zahlungskräftigere Mieter. Mit anderen Worten: das dänische Bankenkonsortium „Core Property Management“ betreibt schamlos und eigennützig die Gentrifizierung des Münzviertel und steht damit leider nicht allein. Ende März 2010 war auf der Internetseite der A.B.I – A. Böger Immobilien: http://www.abi-boeger.com zu lesen:

„ VERKAUFE HH-MITTE – MÜNZVIERTEL – REPSOLDSTRASSE 50 – NEUES DG!“ und fährt fort:

„Es ist wieder chic, in HH-Mitte / Münzviertel, zu wohnen….. Ein absolutes In-Viertel. Die multikulturelle, bunte Einwohnerstruktur der letzten Jahrzehnte wird entsprechend durch eine zahlungskräftigere Klientel verändert.“

Menschenverachtung pur. Die Reichen rein, die Armen raus. Heute die Global Zocker, morgen die SAGA und über die städtische Sprinkenhof AG schwappt dichter schwarzer Nebel. Wann wird das Dänische „Core Property Management“ in den Quartiersbeirat Münzviertel geladen, um dort ihre dem Gemeinwesen Münzviertel gegenüber widersprechende Geschäftsphilosophie darzulegen.

www.muenzviertel.de

besten Dank an Günter Westphal (Artikel/Fotos)

Neue Nutzung der Rindermarkthalle – heute öffentliche Auftaktveranstaltung

Hier einige Auszüge aus der Machbarkeitsstudie zur neuen Nutzung der ehemaligen Rindermarkthalle sowie des Areals zwischen Neuer Kamp und Budapester Straße (derzeit „real“-Markt):

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit und um Missverständnisse zu vermeiden, spielt die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Bevölkerung bei dem Vorhaben eine wichtige Rolle. Da der Bezirk konkrete, auf den Standort und den Stadtteil bezogene Nutzungsideen weiter entwickeln und prüfen lassen will, soll mit einer frühzeitigen Informationsveranstaltung die Initiative ergriffen und auf die Bürger zugegangen werden. Diese Veranstaltung findet am 13.04.2010 um 18.30 Uhr in der Aula des Wirtschaftsgymnasiums St. Pauli, Budapester Str. 58, 20358 Hamburg statt.
Die Anwohner sollen so die Möglichkeit erhalten, weitere Inhalte, Wünsche und Bedürfnisse in das Verfahren einfließen zu lassen. Die Bedenken hinsichtlich einer weiteren Gentrifizierung können diskutiert werden. Über die in das Verfahren integrierten Sanierungsbeiräte soll die Kommunikation mit den Anwohnern erfolgen.

Im Verfahren treten sechs Teams an und sollen Lösungsvorschläge sowohl für eine Umnutzung der Halle erarbeiten als auch Vorschläge entwickeln, wie eine alternative Neuordnung des Geländes nach Abriss der Halle vorgenommen werden könnte.

Diese Lösungsvorschläge sollen bereits im Laufe des Verfahrens geprüft werden. Das Verfahren wird deshalb nicht-anonym und kooperativ durchgeführt.

Hierfür stehen weitere Termine zur Verfügung:

Workshop I – 04.05.2010, ganztägig
Vormittags Stadtteilvertreter & Öffentlichkeit
Nachmittags Fachkolloquium

Workshop II – 08.06.2010, ganztägig
Vormittags Stadtteilvertreter & Öffentlichkeit
Nachmittags Fachkolloquium

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