Was getan wurde, ist fertig

Von Juli bis Oktober übernimmt der Monsun das Regiment in Thailand. In dieser Zeit stellen die Mönche ihre Reisen ein, legen alle Projekte und Werkstücke zur Seite und widmen sich ausschließlich dem Studium und der Meditation. Diese Periode wird „Vassa“ genannt, das „Regen-Retreat“.

Vor einigen Jahren errichtete ein berühmter Abt in Thailand eine neue Halle in seinem Waldkloster. Zum Zeitpunkt des Regen-Retreats ließ er alle Arbeiten einstellen und schickte die Bauarbeiter nach Hause. Im Kloster war jetzt die Zeit der Stille angebrochen.

Als ein Besucher ein paar Tage später das halbfertige Gebäude sah, fragte er den Abt, wann die Halle denn fertig sein würde.
Ohne zu zögern, antwortete der Abt: „Die Halle ist fertig.“
„Was meinst du damit: ‚Die Halle ist fertig‘?“, fragte der Besucher verblüfft. „Sie hat kein Dach, keine Fenster oder Türen. Überall liegen Holzstücke und Zementsäcke herum. Soll denn das alles so bleiben? Bist du verrückt? Was soll das heißen: ‚Die Halle ist fertig‘?“

Der alte Abt lächelte und erwiderte gelassen: „Was getan wurde, ist fertig.“ Und damit schritt er davon, um zu meditieren.

Dies ist die einzige Möglichkeit, sich ein Retreat oder eine Pause zu gönnen. Sonst wird unsere Arbeit nie fertig.

Diese Geschichte ist von Ajahn Brahm und ich widme sie allen „Energiebilanz-Geplagten“ ♡ (zu denen ich mich bisweilen auch zähle… 🙂

8 Gedanken zu “Was getan wurde, ist fertig

  1. mayarosa schreibt:

    Danke für diesen Gedanken. Ich werde mir das heute immer wieder mal in Erinnerung rufen, wenn ich meine letzten Arbeiten abschließe und für den Urlaub packe 🙂
    Ganz fertig ist man nie. Das stimmt. Teilschritte abzuschließen, hilft aber beim Entspannen. Mir zumindest. Damit meine ich zum Beispiel, um in deinem Bild zu bleiben: der bereits angerührte Mörtel, der noch nicht aufgebraucht ist; die Mauer, in der noch drei, vier Steine bis zur nächsten Reihe fehlen, die angelieferten Bauteile, die noch nicht vor dem Monsun geschützt gelagert sind.
    Solcherlei Dinge belasten (mich zumindest) im Retreat/Urlaub, weil sie mitreißen und nicht abgehakt zuhause bleiben.
    Vielleicht geht es wie immer darum, die Waage zu finden: Alles stehen und liegen zu lassen ist ebenso falsch wie nichts liegen lassen zu können.

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