St. Pauli Music Hall und Gentrifizierung im Allgemeinen

Jaja, die ‚Beteiligung der Öffentlichkeit’… sie hat so ihre Tücken. Die Springer-Presse schrieb heute, dass „der Bezirk einen Weg der öffentlichen Information wählte, den heute Politiker hinter vorgehaltener Hand als Desaster beschreiben.“

Mit anderen Worten: man hätte einfach die Bulldozer alles platt machen lassen sollen. Basta.

Mich wundert diese Einstellung nur bedingt. Viele sind sich gar nicht darüber bewusst, dass die Stadt Hamburg dabei ist, jede der Stadt gehörende (Grün-)Fläche an den Höchstbietenden zu verscherbeln. Und das schon lange nicht mehr nur in Gebieten wie St. Georg oder St. Pauli.
In Barmbek-Süd und Uhlenhorst z.B. werden en masse öffentliche Grünflächen verkauft. In einem Fall obwohl der ehemalige Besitzer der Fläche – Herr Averhoff – in seinem Testament verfügen ließ, dass er das Gelände nur unter der Voraussetzung der Stadt Hamburg hinterlässt, wenn es entweder öffentlich oder sozial genutzt würde. So findet man dort unter anderem ein Pflegeheim, einen Kindergarten, einen normalen Spielplatz sowie einen Kinder-Bauspielplatz. Außerdem auf dem Gelände: ein denkmalgeschütztes ehemaliges Waisenhaus (später Jugendheim), welches nun in Eigentumswohnungen umgewandelt wird…
Wer im schicken Palais Averhoff residieren möchte, sollte eine knappe halbe Million Euro übrig haben. Wenn DAS nicht sozial ist, dann weiß ich auch nicht. Aber Herr Averhoff wird sich sicher im Grab umdrehen.

In der Tat ist es in zentralen Gegenden quasi unmöglich geworden, in irgendeine Himmelsrichtung zu blicken, ohne auf ein halbes Dutzend Baukräne zu schauen. Trotzdem gibt es einen Mangel an 40.000 Wohnungen. Wie kann das sein? Ganz einfach: gebaut werden nur noch Büros, die dann leerstehen und exklusive Eigentumswohnungen. Die CDU (plus GAL) machen’s möglich.

Aber um aufs Thema Rindermarkthalle zurück zu kommen: am 25.11.2010 kann man sich im so genannten Ballsaal (am St. Pauli Stadion) einfinden, sofern man sich an der Planung beteiligen möchte. Ab 17 Uhr ist Einlass. Und für all jene, die der wahre Grund der Eskalation im bisherigen Planungsverfahren interessiert: die St. Pauli Music Hall GmbH wurde bereits zig Monate vor der ‚Beteiligung der Öffentlichkeit‘ gegründet. Somit war die Integration der Bevölkerung und angeblich ergebnisoffene Diskussion mit den Anwohnern von Anfang an eine Farce.

Im Falle Averhoff weiß das Bezirksamt angeblich auch nichts von einem Testament. Wer’s glaubt…

Nachdem das nervige Grünzeug erstmal gerodet war, musste nur noch der Luftschutzbunker weggestemmt werden. Dann konnte es losgehen…… mit dem Bau der über 400.000 EUR teuren „Sozialwohnungen“ auf dem Averhoff-Gelände. Nicht im Sinne des Namensgebers.

Quelle Zitat: Hamburger Abendblatt „Alte Rindermarkthalle: St. Pauli Music Hall ist ungewiss“ vom 09.11.2010

7 Gedanken zu “St. Pauli Music Hall und Gentrifizierung im Allgemeinen

  1. cassandra schreibt:

    (zur rindermarkthalle)
    oh sorry, nicht schon wieder dieser verschwörungs-quatsch! eingebettet in begründete kritik relativiert das den beitrag gleich wieder -wegen mangelnder recherche… ist mir zu oberflächlich, zu einfach drauf gehauen!
    wenn man das geschehen ein wenig verfolgt, konnte man bereits vor monaten in zig blogbeiträgen lesen, dass diese geschichte vom bezirk schon anfang 2009 beschlossen wurde -also, dass „workshops“ stattfinden- als auch klar war, dass real raus geht.
    da finde ich es ok, wenn man initiativen oder aber auch firmen gründet, um klar zu machen, dass man es ernst meint!
    gibt der sache ein gesicht und ansprechpartner! ..falls man darüber diskutieren/sich informieren will!
    dabei fällt mir auch ein: abendblatt-artikel im sommer über die andere truppe, die sich um die music-hall bewirbt verpasst?
    bidde: http://www.st.paulimusic-eventhall.de/frontend/01_home/index.php
    apropo, würd mich mal interessieren wer da so interesse bekundet hat den supermarkt zu betreiben!!
    penny? edeka? so´n schicki-markt wie das mercado altona? macht schon einen unterschied… ach, warte! besser noch: ECE!!!
    wer will die gastro machen? wer bezahlt den bau von den geplanten kleinen künstlerbüros? sprich: bezahlbar oder teuer wenn fertig? und überhaupt, wer soll denn billige bändräume bauen = finanzieren?
    all das macht für mich viel aus im kompletten bild dieses stückchen sankt paulis, wenns dann fertig ist!
    übrigens stimme ich voll damit überein, dass die stadt nicht alle grundstücke verscherbeln sollte. so verliert sie auch die kontrolle darüber, wie sich diese bereiche weiter entwickeln und kann irgendwann nicht nur nur zusehen, wie sich das bild der stadt verändert, sondern auch aus der natur der sache keinen bezahlbaren wohnraum mehr garantieren!
    unendliches thema! ich find das alles spannend und schwierig!
    deshalb bin ich auch neugierig auf den 25.11.!
    bis denn

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    • michaela schreibt:

      Zum Glück leben wir ja (noch) in einem Land, in dem jeder seine Meinung haben und auch veröffentlichen darf. Meines Wissenstandes nach hat die Beteiligung der Öffentlichkeit erst dann konkret stattgefunden, als die Music Hall GmbH schon seit über einem halben Jahr bestand. Von daher war die angeblich ergebnisoffene Diskussion mit den Anwohnern sehr wohl eine Farce. Und das hat auch nix mit Verschwörung zu tun.
      Wenn Du den Gegenbeweis antreten möchtest, kein Problem. Aber mir scheint Dein Beitrag ein wenig darauf gemünzt, Werbung für Deine Sache zu machen.
      Ich bleibe bei meiner Meinung, dass es in St. Pauli mehr als genug Locations in Sachen Entertainment gibt. Und dass die Nahversorgung den Anwohnern wichtiger ist, als noch eine Eventhalle, ist auch klar. Dort leben schließlich auch Menschen jenseits der Mittzwanziger (ja, so etwas gibt es) und Familien mit Kindern.

      Die Stadt Hamburg, nun, die finanziert schon genug Müll (Elbdisharmonie ist nur ein Beispiel), da sollte und darf die Frage der Nahversorgung der Bürger nicht an der – angeblichen – Nichtfinanzierbarkeit scheitern.
      Außerdem: WER am Ende dort WAS macht soll ja ruhig diskutiert werden. Diesmal aber hoffentlich wirklich ergebnisoffen…

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      • leif schreibt:

        Hallo,
        kurze Anmerkung: Im Frühjahr 2009 wurde in der Bezirksversammlung Mitte der Beschluss zur Machbarkeitsstudie „Alte Rindermarkthalle“ gefasst. In diesem Beschluss wurden bereits die wichtigsten Bausteine der Machbarkeitsstudie skizziert. Eine Woche nach dem Beschluss wurde groß im Hamburger Abendblatt darüber berichtet. Die Sankt Pauli Music Hall GmbH wurde ein halbes Jahr später im Oktober 2009 gegründet.
        Nahversorgung war immer Bestandteil der Machbarkeitsstudie. Machbarkeitsstudie = gucken was machbar ist = nichts ist beschlossen.
        Viele Grüße,
        Leif.

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        • michaela schreibt:

          Danke für den Hinweis. Ich gehe mal davon aus, dass diese Info so stimmt.
          Dennoch halte ich einen Bericht in der Springer-Presse und die Beteiligung der Öffentlichkeit für zwei völlig verschiedene Dinge.
          Die Machbarkeitsstudie habe ich mir am 13. April durchgelesen und auch – sehr neutral – über die Versammlung berichtet. Ich habe an der Machbarkeitsstudie an sich auch nichts ausgesetzt.
          Lediglich die Tatsache, dass man die St. Pauli Music Hall GmbHso und nicht anders genannt hat, hat verständlicherweise bei den Anwohnern für Ärger und Frust gesorgt!
          Wenn meine Kinder morgens auf dem Weg zur Schule schon jetzt durch zig zerbrochene Flaschen latschen müssten, ginge mir das auf jeden Fall genau so.
          Ich wiederhole: WER am Ende dort WAS macht, soll ja ruhig diskutiert werden. Ergebnisoffen ist hier der springende Punkt.

          Lahmes Beispiel zum Schluß: wenn jemand diskutieren möchte, ob Schokolade oder Obst angeboten werden soll und sich im Vorfeld „Lila Kuh GmbH“ tauft (und seine Studie womöglich noch durch Kraft Foods mitfinanzieren lässt) der muss mit Vorwürfen der Befangenheit rechnen.

          Naja. Hoffen wir einfach, dass die Diskussion ein Ergebnis hervorbringt, mit dem alle gut leben können.
          Danke für Deinen Input und Gruß
          Michaela

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  2. Ella Binder schreibt:

    Also, ich finde es gut, wenn diejenigen, die daran interessiert sind, etwas in der Halle zu machen, das auch beim Namen nennen. Die Musikschule oder die Moschee, die auch im Gespräch sind, werden doch auch beim Namen genannt. `Ergebnisoffen´ ist doch, wer am Ende dabei ist?

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