Das Münzviertel im Visier der Investoren

Ich habe vor kurzem im lachenden Drachen, der Stadtteilzeitung von St. Georg, einen Artikel gelesen, der mir sehr gut gefallen hat und den ich hier gern vorstellen möchte:

Wohnimmobilienfonds und Gemeinwesen (von Günter Westphal)

Ein Gemeinwesen wie das Münzviertel besteht – wie andere Sozialräume auch – aus mehreren Akteuren. Ihre jeweiligen Interessenlagen sind zwar unterschiedlich, doch in einem intakten Gemeinwesen gibt es weder ein Unten noch ein Oben. Was die Akteure lediglich unterscheidet, ist ihr jeweiliges spezielles Expertentum: Die Hausbesitzer sind Experten im Hausbesitzen, die Bewohner eines Hauses sind Experten im Bewohnen der Häusern, die Politiker sind Experten im Politikmachen, die Polizisten sind Experten im Polizeimachen usw. usw.. Und alle ziehen auf gleicher Augenhöhe miteinander am gemeinsamen Strang. Gemeinsame Schnittmenge aller ist ein sozialverträgliches Gemeinwesen mit Rechten und Pflichten für Jedermann.

In einem nichtintakten Gemeinwesen gibt es ein Unten und ein Oben. Oben die Hausbesitzer und unten die Bewohner der Häuser. Die Hausbesitzer verweigern sich dem Gemeinwesen, bleiben anonym, verschanzen sich hinter Aktien und Kapitaleinlagen. Was hier einzig zählt sind höchstmöglichste Mietrenditen. Die Bewohner der Häuser und deren nachbarschaftliche Vernetzungen werden kaltherzig degradiert zur bloßen ökonomischen Größe.

2007 erfolgte der erste Zugriff.  Zum 31. Januar 2007 nahm der Wohnimmobilienfonds „Ejendomsselskabet Nordtyskland“ in der Vermarktung des dänischen Bankenkonsortium „Core Property Management“ die Liegenschaft Spaldingstraße 41- 47 in seinen Besitz. Ein Jahr später erfolgte der zweite. Anfang August 2008 kaufte der Immobilienfonds die Liegenschaft Spaldingstraße 49 / Ecke Repsoldstraße 52. Und 2009 schlug das Bankenkonsortium zum dritten Mal zu, diesmal unter der Fondszeichnung „Core German Residential II“. Es kaufte die Gebäudeliegenschaft Högerdamm 27 / Ecke Woltmanstraße 22-24.

Als oberstes Geschäftsziel verspricht das Bankenkonsortium: „ …. rentable Überschüsse für unsere Investoren. Unser Fokus liegt bei der positiven Weiterentwicklung unserer Mieteinnahmen. Das erreichen wir durch die positive Wertentwicklung unserer Wohnungen und Häuser, hierunter besonders durch Modernisierungen im Zusammenhang mit dem Mieterwechsel. Gleichzeitig optimieren wir effizient die Betriebskosten der Liegenschaften. ….“ http://www.coreproperty.dk

„Modernisierungen im Zusammenhang mit dem Mieterwechsel“ ist die Chiffre für: Vertreibung der alten Mieter durch neue zahlungskräftigere Mieter. Mit anderen Worten: das dänische Bankenkonsortium „Core Property Management“ betreibt schamlos und eigennützig die Gentrifizierung des Münzviertel und steht damit leider nicht allein. Ende März 2010 war auf der Internetseite der A.B.I – A. Böger Immobilien: http://www.abi-boeger.com zu lesen:

„ VERKAUFE HH-MITTE – MÜNZVIERTEL – REPSOLDSTRASSE 50 – NEUES DG!“ und fährt fort:

„Es ist wieder chic, in HH-Mitte / Münzviertel, zu wohnen….. Ein absolutes In-Viertel. Die multikulturelle, bunte Einwohnerstruktur der letzten Jahrzehnte wird entsprechend durch eine zahlungskräftigere Klientel verändert.“

Menschenverachtung pur. Die Reichen rein, die Armen raus. Heute die Global Zocker, morgen die SAGA und über die städtische Sprinkenhof AG schwappt dichter schwarzer Nebel. Wann wird das Dänische „Core Property Management“ in den Quartiersbeirat Münzviertel geladen, um dort ihre dem Gemeinwesen Münzviertel gegenüber widersprechende Geschäftsphilosophie darzulegen.

www.muenzviertel.de

besten Dank an Günter Westphal (Artikel/Fotos)

4 Gedanken zu “Das Münzviertel im Visier der Investoren

  1. Thomas schreibt:

    Menschenverachtung ist das richtige Wort für so etwas.
    Fehlt nur noch, dass sie die Obdachlosen und Junkies in Gaskammern stecken. Es lebe die positive Wertentwicklung…

    Gefällt mir

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