Der 1. Mai und seine Krawalle

Ich habe gestern Teile einer relativ guten Doku über die Protestkultur in Deutschland gesehen. Was mir auffällt: die Gewalt ist auf jeder Seite. Rechts, links, Mitte – Polizei. Sehr übel stieß mir auf, dass einige Polizisten extrem brutal vorgingen. Bei einem Bauernprotest z.B. zerstörten sie mutwillig und vollkommen grundlos die Traktoren der Bauern und rammten einem – obwohl er keinen Widerstand leistete – den Schlagstock in die Magengrube. Was soll das? Ist das etwa besser als Steine werfen? Wohl kaum.

Wie ich in meinem vorigen Post ja schon erwähnte, bin ich absolut kein Fan von Krawall-Tourismus. Was ich allerdings genauso wenig leiden kann: Ignoranz. Wer nicht sieht, dass in unserer Gesellschaft etwas schief läuft, der hat wohl eine überdimensionierte rosarote Brille auf.
Man sollte es verwerflich finden, dass einige wenige sich dumm und dämlich verdienen, indem sie mit Wohnraum spekulieren, während andere sich tagtäglich abrackern müssen, um ihre daraufhin überteuerte Miete bezahlen zu können. Sogar mit Grundnahrungsmitteln wird spekuliert, was die Preise hochtreibt, während überall auf der Welt Menschen verhungern. Das ist pervers. Und falsch.
Und im übrigen auch einer der Gründe, warum wir zig Milliarden EUR Hilfe an Griechenland zahlen müssen.

Wer sich angesichts dieser Tatsachen die Zeit nimmt, sich über angezündete Mülltonnen aufzuregen, der ist in gewisser Weise beneidenswert. Denn er hat anscheinend noch nicht gemerkt, dass der Kapitalismus dabei ist, uns Kopf und Kragen zu kosten.

5 Gedanken zu “Der 1. Mai und seine Krawalle

  1. Qu schreibt:

    Aha. D.h. solange irgendwo am anderen Ende der Welt Menschen verhungern, darf ich mich nicht über Vandalismus vor meiner Haustür aufregen?

    Ist übrigens ein Argument, das man einsetzen kann, wie man es gerade braucht. Und was genau am wichtigsten ist, das bestimmt nämlich immer der, der es verwendet, nicht wahr?
    Darf ich mich denn über Vandalismus in Südafrika aufregen, sobald in Hamburg ein Kind verhungert?

    Selbst wenn ich allem zustimmen würde, was Du hier anführst (überteuerte Mieten, fehlende Grundnahrungsmittel, kapitalistische Wohnspekulationen, brutale Polizisten), würde das in meiner Rechtsauffassung keine 1. Mai Krawalle rechtfertigen.

    Es ist nicht der Kapitalismus, der uns Kopf und Kragen kostet, sondern die, die ihn für ihre Zwecke missbrauchen. Jedes System hat Defizite, die ausgeglichen werden müssen, jedes System funktioniert auf Kosten einiger und begünstigt andere.

    Außer natürlich die Utopie.

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    • michaela schreibt:

      Dürfen darf man grundsätzlich alles! Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern, sollte aber darauf gefasst sein, dass andere widersprechen.

      Utopie… Ach, Du meinst, in die Schanze zu ziehen und sich dann über (vermeintliche) Autonome vor der Haustür zu echauffieren? Ja, sowas ist wirklich lustig!

      Was den Kapitalismus angeht: der begünstigt vielleicht 5% der Weltbevölkerung. Und bringt nicht selten Nachteile für die restlichen 95%. Tolle Sache, das… hast Recht. Mein Fehler.

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  2. Qu schreibt:

    Ich klang wohl schroffer als geplant… nix für ungut. Hab nichts dagegen, wenn mir jemand widerspricht – im Gegenteil.

    Kapitalismus… hast ne bessere Idee? 🙂

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    • michaela schreibt:

      Wie Du schon ganz richtig sagtest, hat jedes System seine Macken. Meines Erachtens (!) ist das größte Problem des heute praktizierten Kapitalismus, dass die Politik quasi machtlos ist. Weil sie entweder direkt oder indirekt vom Kapital beeinflusst wird.
      Beispiele gibt es wie Sand am Meer. Eines davon: Vattenfall, ehemals Hamburger Electricitätswerke. Zum einen verhökert die Stadt immer mehr städtisches Eigentum an den Höchstbietenden (sogar die eigene Stromversorgung), zum anderen ist sie machtlos gegen die teils daraus resultierenden Nachteile für die Allgemeinheit. Vattenfall – und wahrscheinlich jeder andere Energieversorger – sind a) Stromerzeuger b) Netzbetreiber und c) Stromlieferant. Als Stromlieferant halten sie sich künstlich „arm“, damit sie juristisch gesehen auf der sicheren Seite sind, was die Strompreiserhöhungen angeht. Als Netzbetreiber allerdings verdienen sie gleichzeitig Hunderte Millionen Euro… Außerdem verschachert Vattenfall nun Teile seines Netzes an (undurchsichtige) ausländische Investmentgruppen. In Schweden, wo Vattenfalls Unternehmenssitz ist, hat das Königshaus Vattenfall den Verkauf des schwedischen Stromnetzes an ausländische Investoren verboten. (Bravo)
      Ich schätze, ich möchte damit sagen: das Kapital – so albern das auch klingen mag – hat unvorstellbare Macht. Von daher braucht es ein sehr starkes, unabhängiges Gegengewicht. Dies haben wir meist leider nicht – zumindest nicht in der gegenwärtigen Politik.
      Meine einzige Hoffnung ist von daher, dass das Volk irgendwann aufbegehrt und die Politiker daran erinnert, dass sie IHRE Vertreter sind. Nicht mehr und nicht weniger.

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